Die Sonnenberger Käuzcher 1863 e.V. Die Sonnenberger Käuzcher 1863 e.V.

Die Sonnenberger
Käuzcher

1863 e.V.

Narrenlexikon F-J

Auf den folgenden Seiten sind die wichtigsten und gängigsten Begriffe rund um die fünfte Jahreszeit zusammengetragen. Diese Rubrik erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und alleinige Richtigkeit. Für Anregungen, Hinweise, Ergänzungen usw. sind wir deshalb jederzeit dankbar.

Fastnacht (Fasnet, Fasching, Karneval)
Der Name Fastnacht bezeichnet ursprünglich nur den Dienstag vor Aschermittwoch. Im Zuge der Sprachentwicklung wurde er jedoch auf die ganze Festzeit übertragen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Festen trägt das Kalenderfest unmittelbar vor der Fastenzeit verschiedene Namen. Die üblichen Begriffe im Hochdeutschen sind Fastnacht, Fasching und Karneval. Darüber hinaus gibt es je nach regionalem Dialekt aber auch Ableitungen und Sonderformen wie zum Beispiel "Fasnacht", "Fassenacht" oder die alemannische "Fasnet". Das Wort Karneval, das sich im Spätmittelalter über verschiedene Zwischenformen herausgebildet hat, hat seine Wurzeln in der lateinischen Sprache. Es setzt sich zusammen aus den Wörtern "caro" (Fleisch) und "elevare" (aufheben). Der Name Karneval bedeutet also nichts anderes als die "Aufhebung" oder die "Wegnahme des Fleisches". Er verweist damit auf die bevorstehende Fastenzeit, in der zumindest in früherer Zeit der Verzicht auf Fleischnahrung neben sexueller Enthaltsamkeit im Vordergrund stand. Nicht nur in Deutschland begegnet man der Bezeichnung Karneval für die närrischen Festtage. Man findet sie mit geringfügigen Abweichungen im ganzen romanischen Sprachraum. Das deutsche Wort Fastnacht hat seine sprachgeschichtliche Herkunft aus dem Wort Fasten und nimmt damit ebenso Bezug auf die bevorstehende Fastenzeit wie die Bezeichnung Karneval. Im engeren Sinne nur auf den Dienstag vor Aschermittwoch bezogen, ist mit Fastnacht der Vortag bzw. der Vorabend zur Fastenzeit gemeint, der auf die kommende Periode einstimmen soll. Auch andere christliche Feste werden traditionell am Abend vorher eingeleitet wie z. B. Weihnachten durch Heiligabend.

Fastnachtsdienstag
Der Fastnachtsdienstag bildet den Abschluß der närrischen Tage. Er wird daher auch in manchen Gegenden "Kehraus" genannt. Gebräuchlich sind aber auch Namen wie "Narrenfastnacht", "Laienfastnacht" – im Gegensatz zur "Pfaffenfastnacht" am Sonntag – oder auch "rechte Fastnacht". In einigen ländlichen Regionen wurde er früher auch "Schnitzdienstag" genannt, weil die bäuerliche Mahlzeit an diesem Tag aus gedörrten Birnenschnitzen und Speck bestand. Am Fastnachtsdienstag wird noch einmal kräftig gefeiert. In manchen Orten findet erst an diesem Tag der Fastnachtsumzug statt: Dieburg - na klar :-) In einer zunehmend säkularisierten Umwelt wird der Dienstagabend heute kaum noch als Vorabend zu Aschermittwoch und damit als Eintritt zur Fastenzeit empfunden, sondern eher als Ende einiger schöner, lustiger Tage. Man feiert daher bis spät in die Nacht. In früheren Zeiten wurde seitens der Kirche Wert darauf gelegt, dass bis 24 Uhr das Fastnachtstreiben beendet sein musste. Weit mehr als heute verbreitet waren daher auch sogenannte Fastnachtsabschlussbräuche. In einigen Gegenden haben sie sich aber noch bis heute erhalten. Fastnachtsabschlussbräuche gab und gibt es vor allem dort, wo eine Symbolfigur der Fastnacht existiert. Am Fastnachtsdienstag gilt es, sich ihrer zu entledigen. Sie wird daher öffentlich verbrannt oder in einer "feierlichen" Zeremonie zu Grabe getragen. Die Fastnachter und Narren tragen dabei häufig ein äußeres Zeichen der Trauer wie schwarzer Schleier, schwarzer Hut oder Zylinder oder Kränze. Die Trauer selbst ist selbstverständlich nur gespielt. Eine interessante Variante der Begräbniszeremonie ist das Begraben des Geldbeutels oder die Geldbeutelwäsche als Säuberungs- und Läuterungsaktion. Zu den sonstigen Abschlußbräuchen gehört die Rückgabe des Narrenrechts bzw. die Beseitigung von Rechtszeichen. Dazu gehört zum Beispiel die Rückgabe des Rathausschlüssels. Dort, wo ein Narrenbaum gesetzt wurde, wird er am Fastnachtsdienstag gefällt oder versteigert.

Fastnachtsfarben (rot-weiß-blau-gelb bzw. rot-weiß-grün-gelb)
Die vier Fastnachtsfarben rot-weiß-blau-gelb sind schon seit den ersten Fastnachtsjahren in Mainz nachweisbar, ohne dass man Herkunft und Bedeutung der Farben genau kennt. Dort soll im Jahre 1840 ein Büttenredner seine Narrenkappe in den Saal geschwenkt und dazu gereimt haben: "Weiß ist die Reinheit unserer Absicht, dein gelb ist das Sonnengold unserer Herzen, dein rot ist die Feuerfarbe unserer Gedankenbilder, dein blau ist der Azurhimmel unserer Freudigkeit." Es war dies eine poetisch-romantische Beschreibung mit momentanem Unterhaltungswert, aber ohne jeden realen Bezug. Eine durchaus interessante Deutung weist auf die Trikolore der französichen Revolution mit den Farben blau-weiß-rot hin, die um die Farbe gelb erweitert wurde. Bekanntlich wurden die ersten Narrenkappen nach dem Vorbild der Jakobinermütze gefertigt, die eine Kokarde in den Farben blau-weiß-rot aufwies. Gelb könnte als alte Kirchenfarbe oder als eine der Farben, die im Kostüm der Clowns und Harlekine dominierten, eingebracht worden sein. Übrigens: Wichtig für den Fastnachter ist, dass Blau in dem Vierfarbbanner enthalten ist, denn kaum ein anderes Wort reimt sich besser auf Helau. Der Umstand, dass andernorts grün anstatt blau Verwendung findet, lässt sich nicht genau begründen. Dies geschah wohl aus der Überlegung, eine gewisse Eigenständigkeit zu erzeugen bzw. um sich von der Fastnacht im Rheinland etwas abzugrenzen.

Fastnachtssitzungen/Fremdensitzungen
Aus den Erkenntnissen der französischen Revolution entwickelte sich zunächst im Rheinland Anfang des 19. Jahrhunderts Sehnsucht und Streben nach Freiheit um Mitbestimmung. Was im Staat zu dieser Zeit jedoch nicht möglich war, realisierte man daher ab "parlamentarischen Monarchie" mit Wahlrecht und Mitbestimmung für alle Vereinsmitglieder. Als närrische Herrscherfigur wurde ein Karnevalsprinz gewählt, dem Garde und Kabinett in Form eines Elferrates zur Seite standen. Zu Karnevalsbeginn und während der Kampagne fand man sich zusammen, wo vereinsinterne Dinge geregelt, Umzüge geplant, aber auch heitere Darbietungen geboten wurden. Vereinsinterne Damen- und Herrensitzungen wurden abgehalten. Im frühen 20. Jahrhundert öffneten sich die Vereinskarnevalisten dann der breiten Bevölkerung und luden zu den ersten "Fremdensitzungen".

Fastnachtstermin
Der Fastnachtstermin ist abhängig vom Ostertermin, der (seit dem Konzil von Cicäe im Jahr 325) einen festen Termin hat, nämlich den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn am 20. März. Also kann Ostern frühestens am 21. März sein und hat somit 35 mögliche Termine. Folglich hat auch die Fastnacht bzw. der Beginn der Fastenzeit 35 mögliche Termine, sind also, wie viele Feiertage auch, bewegliche Tage. Sie fallen selten auf ein gleiches Datum (wie z. B. der 11.11.). Um 600 führte Papst Gregor I. eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern ein, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern. Mit dem Konzil von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch. Oder anders ausgedrückt: Aschermittwoch ist 46 Tage vor Ostern. Dementsprechend sind die drei Tage davor die Fastnachtstage. Noch bis ins 16. Jahrhundert existierten beide Fastnachtstermine, die alte "Bauernfastnacht" und die neue "Herren-" bzw. "Pfaffenfastnacht" konkurrierend nebeneinander. Heute ist es oft so, dass katholische Gegenden die Fastnacht vor dem Aschermittwoch, protestantische Gegenden nach dem Aschermittwoch feiern. Insbesondere im badischen Raum als auch in der Schweiz haben sich viele Bräuche der alten Fastnacht erhalten. Am bekanntesten davon ist sicherlich die Basler Fastnacht. Diese beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4.00 Uhr mit dem sog. Morgenstraich und endet am folgenden Morgen, ebenfalls um 4.00 Uhr.

Guggenmusik
Ist im Süden Deutschlands und der Schweiz verbreitet, erfreut sich aber auch in anderen Gegenden zunehmender Beliebtheit. Bei der Guggenmusik handelt es sich um Blechmusik, die zum Teil auch auf selbst hergestellten Instrumenten gespielt wird und sich sich ziemlich schräg und falsch anhört, aber das ist (mehr oder weniger) Absicht. Ob man sein Musikinstrument beherrscht oder nicht, ist deswegen wohl eher zweitrangig. Da aber auch immer mehr Leute, die "ordentliche" Musik machen, Lust haben, bei diesem fastnachtlichen Kapellen mitzuspielen, ist es gar nicht so einfach, den Guggenmusikcharakter zu erhalten, so dass bei einigen Formationen das Falschspielen regelrecht geprobt werden muss. Heute wird die Musik im Allgemeinen durch flotte, oft lateinamerikanische Rhythmen bestimmt. Sobald dieser Rhythmus ertönt, geht die Post ab. Gespielt werden Stücke aus allen Bereichen, einfach alles, was gut abgeht - außer Blasmusik im eigentlichen Sinne. Eine weitere Besonderheit sind die meist futuristischen Kostüme. Die äußerst fantasievollen Kreationen sind oft mit silber-, gold- oder andersfarbigen Glitzerstoffen versetzt. Dazu kommt eine meist wilde Gesichtsschminke. In der Schweiz, wo die Guggenmusik eigentlich herkommt besitzen die meisten Guggen überproportionale Masken. Die Maske oder manchmal auch das ganze Kostüm des "Dirigenten" sticht jedoch immer noch heraus. Für die Entstehung des Wortes "Guggenmusik" gibt es unterschiedliche Erklärungen. Zum einen heißt es, dass das Wort "Gugge" von dem Wort "Papiertüte, konischer Briefsack oder allgemein Tüte" abstammt, in die man hineinbläst. Eine andere Erklärung ist die, dass Gugge "kleine Kindertrompete" bedeutet. Gugge kann aber auch "schreien" bedeuten. Was die Herkunft des Worts betrifft, scheint es, dass es vom Ruf des Kuckucks (Guggug, verküzt in Gugg) abgeleitet wurde.

Helau
Bis 1934 erklang zu Ehren der Mitwirkenden im Karneval ein "Hoch!" oder "Hurra!". 1935 brachten Mainzer Fastnachter das "Helau!" von einem Besuch in Düsseldorf mit und führten es zuhause als Ruf ein. Seitdem ist es aber auch vielen anderen Orts gebräuchlich. Vermutlich ist Helau aus dem älteren Karnevalsruf "hell auf" (= aufgeweckt) zusammengezogen worden. Volkskundler vermuten aber auch, dass es von dem kirchlichen Jubelruf "Halleluja" abstammen könnte. Und andere sind der Ansicht, dass es von Hallo oder auch dem englischen Pandant Hello abgeleitet ist.

Heringsessen
Die Fastnacht oder auch Karneval (lat. "carne vale" = Fleisch, lebe wohl) genannte Zeit war früher der Vortag von Aschermittwoch. Er beendet die Zeit, in der ausgelassen gefeiert wurde. Heute sind nur noch Karfreitag und Aschermittwoch so genannte strenge Fastentage, an denen die Katholischen auf Fleisch verzichten sollten. Daher ist als Brauchtum an Aschermittwoch in vielen Gegenden das Heringsessen üblich. Der Fisch ist das älteste Symbol für Christus. Aus den Anfangsbuchstaben der griechischen Übersetzung von "Jesus Christus, Gottes Sohn und Retter" ergibt sich das Wort "Fisch" (ICHTHYS). Zur Zeit der Christenverfolgung unter Nero erkannten sich die Christen untereinander am Fisch-Symbol. Nachdem nämlich Kaiser Nero den Brand Roms den Christen anlastete, mussten sie sich verstecken, um ihren Glauben leben zu können. Der Fisch zeigte ihnen den Weg in die Katakomben, in denen sie sich zu ihren Gottesdiensten trafen.

Hofballett (Gardetanz)
Wenn es in den Sitzungen heißt "Bühne frei für das Hofballett", dann treten junge Damen in Erscheinung. Sie lockern die meist rhetorische Programmfolge auf - und das nicht nur optisch. Diese Fastnachts-Ballette haben ihren Ursprung in den französischen "Ballett- Maskeraden" des 16. Jahrhunderts. Die wurden getanzt, während ein Ansager die Handlung erzählte und aus denen sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts das "Ballet de cour" herausbildete, wie es seinen Höhepunkt am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Paris erlebte. Es bestand aus einem Chor zum Lob des Königs sowie aus Szenen, die entweder getanzt, gesungen oder akrobatisch dargestellt wurden. Hinzu kam ein allegorisches, nach Vorbildern der Antike gestaltetes Ballett, das der König oft persönlich anführte. Diese Tanzkultur wurde an deutschen Königs- und Fürstenhöfen nachgeahmt. Hier bestand im 18. Jahrhundert eine förmliche Hysterie, fränzösischer als die Franzosen zu sein. Von dort fand das Ballett Zugang zum Bürgertum und schließlich auch in den Karneval, der an und in den Residenzen zu Hause war, bevor er volkstümlich werden konnte.

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