Die Sonnenberger Käuzcher 1863 e.V. Die Sonnenberger Käuzcher 1863 e.V.

Die Sonnenberger
Käuzcher

1863 e.V.

Narrenlexikon

Warum ist die 11 Symbolzahl der Narren? Wie errechnet sich der jährliche Fastnachtstermin? Was ist eigentlich Guggenmusik? Und woher stammen die vier Fastnachtsfarben? Und, und und... Was du schon immer über Karneval wissen wolltest, aber nie zu fragen gewagt hast - hier findest du (vielleicht) die Antwort auf deine sinnigen und unsinnigen Fragen.
Auf den folgenden Seiten sind die wichtigsten und gängigsten Begriffe rund um die fünfte Jahreszeit zusammengetragen. Diese Rubrik erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und alleinige Richtigkeit. Für Anregungen, Hinweise, Ergänzungen usw. sind wir deshalb jederzeit dankbar.
Mit freundlicher Genehmigung von www.dibborsch.de

Alaaf
Die Kölner rufen "Alaaf". "Alaaf" kommt von "Cöllen al aff", was soviel wie "Köln über alles" bedeutet. Dieser Spruch wurde erstmals im 16. Jahrhundert vom Fürsten Metternich in einer Bittschrift verwendet. Im Karneval des 18. Jahrhunderts war "Köllen alaaf" Lob- und Trinkspruch mit der Bedeutung "Köln allein - die alte Stadt vorne an!" Bis vor etwa 20 Jahren hieß es immer: "Köllen alaaf!". Das "n" wurde danach weggelassen.

Aschermittwoch
Der Aschermittwoch markiert im Christentum den Beginn des 40-tägigen Fastens und soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus in der Wüste verbracht hat. Der Name kommt vom Brauch, die Asche von Palmen des Palmsonntags des Vorjahres zu weihen und die Gläubigen auf der Stirn mit einem Kreuz aus dieser Asche zu zeichnen. Asche ist das Symbol der Vergänglichkeit und das zentrale Symbol des Aschermittwochs. Mit dem Aschekreuz bekunden die Gläubigen die Bereitschaft zur Umkehr und zu einem Neubeginn. Der Aschermittwoch beendet zugleich die Karnevalszeit, in der ausgelassen gefeiert wurde. Die Fastenzeit soll die Christen wieder zu sich selbst führen. Wenn sie diese Zeit richtig nutzen, besser gesagt, vielleicht richtig leben, und sich auf das Angebot dieser Wochen einlassen, dann kann sich ih ihrem Leben manches verändern. Die Zeit vor Ostern will helfen den oft getrübten Blick wieder klarer werden zu lassen und vielleicht in einen ungesunden Halbschlaf verfallenes Bewußtsein wieder zu wecken und zu schärfen. Nach alten Überlieferungen soll der Teufel an Aschermittwoch aus dem Paradies vertrieben worden sein.

Bajazz
Der "Bajazz" (auch Bajass) mit Laterne, eine der Traditionsfiguren der Fastnacht allgemein, ist eine Art Clownsfigur, die vom Bajazzo des italienischen Volksspiels abstammt (ital. pagliaccio = 'Strohsack', 'Hanswurst'). Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte die Figur (ähnlich wie auch der Domino, s.u.), inspiriert von der italienischen Stegreifkomödie, nach Süddeutschland und hielt später im Karneval Einzug. Mit seinem respektlosen Auftreten symbolisiert die Figur, vergleichbar mit Till Eulenspiegel, das Sich-Hinwegsetzen über die Obrigkeit und die kurzzeitige Freiheit einfacher Bürger. Der Bajazz trägt eine hohe Zipfelmütze, Halskrause und ein weites Gewand, oft in gelb und schwarz gehalten oder mit Rautenmuster, ähnlich dem Pierrot.

Bütt
Die Bütt ist das Rednerpult des Vortragenden und quasi närrisches Hoheitsgebiet, auf dem er die vielzitierte Narrenfreiheit genießt. Bereits im Mittelalter hat der Narr Abweichungen von der Norm kritisiert. Ihrer Herkunft nach ist die Bütt ein halbes, nach hinten geöffnetes Weinfass: ohne Wein keine Fastnacht und bekanntlich soll im Wein ja auch Wahrheit liegen. Ein anderer Erklärungsversuch ist, die Bütt aus der Waschbütte, dem Waschfass abzuleiten. Im Karneval wird die schmutzige Wäsche in Form der Büttenrede gewaschen: Der Redner kritisiert in humorvollen Reimen Gesellschaft und Politik. Aber auch Gedanken an Diogenes, den griechischen Denker, der seine Philosophie aus einem Fass verkündete, liegen nahe. Vielleicht hat man deshalb im Laufe der Zeit der Bütt das Aussehen einer Eule, dem Vogel der Weisheit, gegeben.

Büttenrede
Die Büttenrede geht auf alte Form des "Rügerechts" im Mittelalter zurück, wo der einfache Bürger in der Fastnachtszeit ungestraft seine Meinung sagen durfte. Bei Fastnachtssitzungen ist dies eine Symbolfigur der jeweiligen Gesellschaft (Protokoller, Till, ...) die aus der Bütt meist in gereimter Form komische Vorfälle, Unsinnigkeiten, Fehlverhalten und Mißstände aus Gesellschaft, Kultur und Politik anklagt und mit diesen ins Gericht geht. Mit Beginn der organisierten Sitzungsfastnacht in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts sind die Büttenreden in der heutigen Form nachweisbar.

Domino
Eine der ältesten, bekannten Fastnachtsverkleidungen, die in ihren Grundzügen (wie auch der Bajazz) aus der italienischen Stegreifkomödie stammt, im 18./19. Jahrhundert von dort nach Süddeutschland gelangte und Eingang in den Karneval fand. Ein Domino ist ein wadenlanger, schwarzer, meist seidener Umhang mit aufrecht stehender Kapuze. Dazu trägt man eine schwarze, samtene Halblarve mit schwarzem Tuch. Es soll einen besseren Herren darstellen. Ursprünglich gehörte der (bzw. das) Domino zur Kleidung italienischer Geistlicher. Ab dem 16. Jahrhundert wurde er jedoch auch häufig als verhüllende Verkleidung gebraucht, wenn man heimlich zu einem Rendezvous ging. Sowohl das Kleidungsstück selbst, als auch sein Träger bezeichnete man damals als 'domino' (von lat. dominus = Herr).

11 als Symbolzahl
Es gibt eine Reihe von Zahlen, denen von seiten der Religion eine besondere symbolische Bedeutung beigemessen wird. Die 11 gilt dabei als Zahl der Maßlosigkeit, der Sünde, als teuflische Zahl. Sie überschreitet nicht nur das, was anhand der zehn Finger menschlicher Hände, sondern auch in der Zahl der gottgegebenen "Zehn Gebote" fassbar ist. Der Bezug zur Fastnacht als einem Fest, bei dem es ausgelassen und nicht immer gerade sehr christlich zugeht, ist insofern leicht herzustellen. Darüber hinaus ist die 11 auch eine "Schnapszahl", die als solche Symbolzahl der Narren sein kann. Bei der Wiederbelebung des rheinischen Karnevals Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die 11 als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe versinnbildlicht, sozusagen eins neben eins. Dahinter steht der Anfangsbuchstabe E des Schlagwortes Egalité (Gleichheit), der zusammen mit den Anfangsbuchstaben der beiden anderen Parolen der Französischen Revolution, L für Liberté (Freiheit) und F für Fraternité (Brüderlichkeit), das Zahlwort ELF ergibt. Die Tatsache, dass die Fastnachts- saison am 11.11. eröffnet wird, hängt möglicherweise auch mit einem 40-Tage-Rhythmus zusammen, der im Jahreslauf zwischen bestimmten Festen regelmäßig auftritt. Vom 11. November, an dem auch St. Martin gefeiert wird, sind es genau 40 Tage bis zum Winter- anfang, der zeitlich fast mit Weihnachten zusammenfällt. Am 11. November begann früher das 40tägige Weihnachtsfasten. Von Weihnachten an sind es wiederum 40 Tage bis zum Festtag Maria Lichtmeß (2. Februar), der zugleich im Kalender der frühest mögliche Termin für den Fastnachtsdienstag ist, den Vortag der Fastenzeit. Noch einmal trennen Fastnacht 40 Tage von Ostern, dem wiederum 40 Tage später Christi Himmel- fahrt folgt. Nach einer anderen Deutung ist der 11.11. der Tag, an dem in früheren Zeiten die landwirtschaftlichen Betriebe ihre Arbeit bis zum Frühjahr einstellten. Knechte und Mägde bekamen an diesem Tag ihren Lohn ausgezahlt und feierten mit dem Geld ein ausgelassenes Fest.

Elferrat
Soll auf die französische Revolution zurückgehen. Er stellte ursprünglich eine Persiflage auf die Revolutionstribunale dar und sollte in der Zeit der Besetzung des Rheinlandes Forderungen als Narreteien aufzeigen. Seinen Namen soll der Elferrat von der Abkürzung "ELF" für egalité, liberté, fraternité", dem Motto der französischen Revolution, haben.

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